BOTSCHAFT ZUM MIRADSCH-KANDIL

BOTSCHAFT ZUM MIRADSCH-KANDIL (HIMMELFAHRT MOHAMMEDS)
 
Am 05. Juni 2013, in der Nacht von Mittwoch auf den Donnerstag wird die segenreiche Himmelfahrt Mohammeds begangen. Möge dieser große geistliche Festtag den Himmel und die Herzen stets erleuchten und eine ewige Auferstehung und Freudenbotschaft mit sich bringen. Möge der Miradsch-Kandil allen Lebewesen, all unseren Bürgern ganz gleich ob jung oder alt, der islamischen Gemeinde auf der Welt und der ganzen Menschheit Wohl, Ruhe und Freude bringen. Ich gratuliere allen Gläubigen zu dieser strahlenden Nacht.
 
Jedes Jahr werden wir am Miradsch-Kandil daran erinnert, dass Allah allein Herr des Aufstiegs ist. Miradsch steht für eine Reinigung und für den Aufstieg zu Allah. Der Aufstieg zu Allah führt an einem Verzicht auf sein Ego und seiner Begierde, seinem Ehrgeiz und Rachegefühl, Zorn und Wut, Arroganz und Stolz auf dem Weg Allahs vorbei. Heute müssen wir mit Rücksicht auf die Bedeutung der Himmelfahrt als Verherrlichung und Aufstieg den materiellen-geistigen Aufstieg des Individuums, der Gesellschaft und der gesamten Menschheit überdenken.
 
Das der letzte Wegweiser der Menschheit unser Prophet nach der Himmelfahrt, nach seinem Aufstieg zu Allah auf die Erde und zu den Menschen zurückgekehrt ist und weiterhin Vorkämpfer der Gerechtigkeit, Gnade und Liebe war, als Wegweiser uns den Pfad der ewigen Befreiung weiterhin ebnete, ist sehr bedeutungsvoll.
In den letzten Versen der al-Baraka Sure, die unser Prophet als Geschenk von der Himmelfahrt brachte, werden wir an unsere großen Verantwortungen und Schwächen, die uns Allah auferlegt hat, erinnert. Jede Verantwortung wurde anvertraut und jeder Mensch, der dieses Anvertraute auf seinen Schultern trägt, muss jede Art des Grolls und Zorns, des Neids, des Stolzes und der Arroganz fern halten und so gegenüber jedem Menschen gar sogar jedem Lebewesen bescheiden entgegentreten. Denn unser Prophet glorifiziert Bescheidenheit, Arroganz, Stolz und Neid setzt er ein Ende. Die tödlichen Schwächen unseres Egos hindern uns jeglicher Art der Himmelfahrt, Verherrlichung und Aufstiegs.
 
Bei der Vorstellung des Menschen und der Gesellschaft beim Islam sind alle Menschen vor Allah gleich. Macht und Stärke gehört einzig und allein Allah. Jedes Unheil und Katastrophe, das uns widerfährt, hinterfragen wir selbstkritisch, ob wir Allah gegenüber einen Fehler begangen haben, ob wir jemanden das Herz gebrochen haben und handeln mit diesem Verantwortungsgefühl bis zu unserem letzten Atemzug.
 
Wir sind verpflichtet wie alle Lebewesen auf der Erde, so auch den auserlesenen und ehrenhaften Menschen, zu achten und das Recht der Menschen und aller Lebewesen zu schützen. Wir sind in allen Abschnitten unseres Lebens und nicht vor dem Musalla-Stein unsere gegenseitigen Zeugen und nicht Rivalen. Aus diesem Grund ist es einer uns zufallenden heiligsten Aufgabe für individuelle und gesellschaftliche Ordnung zu sorgen.
 
Wir krönen und grüßen in großer Sehnsucht den Miradsch-Kandil, der wie ein Rettungsschwimmer, ein Rettungsring, ein Arzt und ein heilendes Rezept uns in diesen traurigen Zeiten zur Hilfe eilt, wenn unsere innere Ruhe und Brüderlichkeit verletzt ist; wenn unsere Vernunft und unser gesunder Menschenverstand unter der Kontrolle unseres Gewissens wegen unserer Arroganz und Stolzes nicht erhört werden. Wenn wir uns bewusst oder unbewusst gegenseitig verletzen und wenn unser Zorn auf die Straßen und Plätze austreten.   
 
Möge Allah zu Ehren dieser heiligen Nacht die gebrochenen Herzen heilen. Möge Allah Gnade über uns weilen! Schütze er uns vor jeder Machenschaft und Zwietracht, die uns gegeneinander ausspielen, unsere Macht erschüttern, unseren Geist der Solidarität und unsere Familie zerstören möchten! Schütze er uns vor jeder Gewalt, Zwietracht und Teuflischem, die auf unsere Unterhaltung, Einheit und Brüderlichkeit einen Schatten werfen möchten.
 
Anlässlich des Miradsch-Kandils sei daran erinnert, dass wir als Angehörige einer Zivilisation, die durch die Geschichte hindurch Unterschiede als eine Bereicherung betrachtete, mit noch mehr Toleranz gegenüber einander entgegentreten sollten.
 
Wir müssen noch mehr miteinander reden. Wir müssen uns noch mehr zuhören und uns versuchen noch mehr zu verstehen.
 
Eines der Wege das Geheimnis der Himmelfahrt heute zu lüften ist, den Weg für einen Gläubigen während der Verrichtung des Gebets und der göttlichen Gebote zu Ehren der heutigen Nacht zu ebnen. Wir müssen uns selbst vor Abschluss unseres Gebetes fragen, was wir für andere bedeuten, wen wir warum erzürnt haben, auf wessen Gebete wir angewiesen sind, vor wessen Bosheit wir Zuflucht bei Allah suchen müssen.
 
In problematischen und empfindlichen Zeiten ist es unsere Aufgabe anlässlich der Himmelfahrt die gebrochenen Herzen zu heilen, die eingestürzten Brücken wieder zu reparieren, die Vergessenen wieder ins Gedächtnis zu rufen und das Verlorene wieder einzufangen.
 
Mit diesen Gefühlen und Gedanken gratuliere ich unserem Land, unserer Geographie des Herzens, unseren Bürgern im Ausland und der islamischen Welt zum Miradsch-Kandil. Ich hoffe diese heilige Nacht wird die Gelegenheit  bieten, dass anstelle der negativen Entwicklungen in unserem Land in den letzten Tagen gesunder Menschenverstand, Frieden und Ruhe einkehrt. Außerdem bete ich zu Allah, dass die islamische Gemeinde in unserer nahen Geographie, die unter Gräuel, Ungerechtigkeit, Gewalt und Terror leidet wieder Frieden findet.
 
Prof. Dr. Mehmet GÖRMEZ
Vorsitzender des Amtes für Religionsangelegenheiten